Globale Logistik im Wandel
Weltweite Lieferketten sind das Fundament des globalen Handels – und befinden sich im größten Wandel seit Jahrzehnten. Ambitionierte Klimaziele, neue geopolitische Realitäten und die rasante Digitalisierung erfordern innovative Lösungen. Technologien entlang der Transportwege Wasser, Luft, Straße und Schiene ermöglichen die Gestaltung der Transformation.

Ob Konsumgüter für den Alltag oder Komponenten für die Industrie – schnelle, zuverlässige Lieferketten sind eine zentrale Voraussetzung für das Funktionieren der Wirtschaft. Hochgradig vernetzte Wertschöpfungs- und Logistikketten sorgen dafür, dass täglich immense Mengen rund um den Globus transportiert werden. Laut der Welthandelsorganisation WTO belief sich der weltweite Warenexport im Jahr 2025 auf rund 26 Billionen US-Dollar.
Logistiknetze müssen unter zunehmend komplexen Rahmenbedingungen funktionieren. Geopolitische Spannungen und protektionistische Tendenzen sowie wachsende regulatorische Anforderungen führen dazu, dass Unternehmen verstärkt in die Resilienz ihrer Lieferketten investieren. Eine nicht repräsentative Umfrage im Rahmen des Supply Chain Pulse Check 2025 von Deloitte, dem Bundesverband der Deutschen Industrie e. V. (BDI) und der International Service Logistics Association (ISLA) bestätigt diese Entwicklung: Fast alle der 148 befragten Unternehmen erhöhten 2025 ihre Ausgaben zur Stärkung der Lieferkettenresilienz. Knapp die Hälfte investierte zusätzlich gezielt in Technologien zur Verbesserung von Resilienz und Transparenz.
Gleichzeitig befindet sich die Branche im Wandel zur Klimaneutralität. Nach Angaben von World Economic Forum und Boston Consulting Group verursacht die Logistik derzeit rund 11 Prozent der globalen Emissionen – Handlungsbedarf und Potenzial sind entsprechend groß. Entlang der Transportwege Wasser, Luft, Straße und Schiene existieren bereits zahlreiche innovative Projekte und Ansätze, die auf CO₂-neutrale Transportflotten sowie effizientere, zunehmend automatisierte Prozesse abzielen.
Viele Technologien, welche die Transformation der Logistik vorantreiben, erfordern robuste Elektronik-Komponenten. Vergussmassen, Klebstoffe und Dichtstoffe von Wevo ermöglichen ihren zuverlässigen Schutz und unterstützen die langfristige Funktionsfähigkeit – selbst unter anspruchsvollen Einsatzbedingungen.

Seeweg: neue Treibstoffe für die globale Flotte
Rund 80 Prozent der weltweit gehandelten Güter werden auf dem Seeweg transportiert, wie die Seeverkehrsstatistik von UNCTAD, der Handels- und Entwicklungsorganisation der Vereinten Nationen, feststellt.
Diese enormen Transportvolumina spiegelt auch die globale Containerschiffsflotte wider. Für 2025 sagte UNCTAD einen Anstieg der maximalen Tragfähigkeit inklusive Ladung, Treibstoff und Versorgung um fast 10 Prozent voraus: von rund 332 auf etwa 364 Millionen Tonnen DWT (Deadweight Tonnage). Auch die Dimensionen einzelner Schiffe nehmen zu. Die größten Einheiten erreichen heute Transportkapazitäten von mehr als 24.000 Standardcontainern (TEU). Ein Beispiel ist die MSC Irina mit knapp 400 Metern Länge, mehr als 61 Metern Breite und einer Kapazität von bis zu 24.346 TEU.
Für die Dekarbonisierung der Hochseeschifffahrt gelten Methanol, Ammoniak und Wasserstoff als vielversprechende alternative Treibstoffe zu fossilem Schweröl. Ein Beispiel aus Dänemark zeigt, wie weit einzelne Projekte hier bereits fortgeschritten sind: Das Energieunternehmen European Energy mit Sitz in Kopenhagen eröffnete 2025 mit „Kassø“ nach eigenen Angaben die weltweit erste Anlage zur Produktion von regenerativ hergestelltem E-Methanol im industriellen Maßstab. Mit einer Jahreskapazität von bis zu 42.000 Tonnen versorgt die Anlage unter anderem das erste methanolbetriebene Containerschiff Laura Maersk. Seit Herbst 2025 testet das Logistikunternehmen Maersk zudem Ethanol-Methanol-Gemische mit dem Ziel, den Ethanolanteil schrittweise bis auf 100 Prozent zu erhöhen und entsprechende Daten zu Motorleistung, Verbrennung und Verfügbarkeit zu gewinnen.

Ein ambitionierter Ansatz für die Herstellung von grünem Ammoniak entsteht derzeit vor der portugiesischen Atlantikküste. Dort plant das niederländische Start-up SwitcH2 B. V. eine schwimmende Produktionsplattform (Floating Production Storage and Offloading, FPSO), die den Treibstoff direkt auf dem Meer herstellen soll. Die Anlage soll unter anderem aus einem Schiff der Größe eines Öltankers (Very Large Crude Carrier) bestehen, auf dem mithilfe eines 300-MW-PEM-Elektrolyseurs Wasserstoff aus Meerwasser mit Stickstoff aus der Luft zu Ammoniak synthetisiert wird. Mit einer potenziellen jährlichen Produktionskapazität von bis zu 243.000 Tonnen zählt das Projekt zu den weltweit größten seiner Art. Technisch erfordert die Offshore-Anlage hochautomatisierte Steuer- und Leitsysteme, robuste elektrische Infrastrukturen, redundante Systeme – etwa mehrfach ausgelegte Energiekomponenten – sowie umfassende Cybersecurity-Architekturen. Zu den beteiligten Unternehmen zählen unter anderem ABB (Automatisierung), Ohmium (Elektrolyse) und thyssenkrupp Uhde (Ammoniaksynthese).
Hohe Luftfeuchtigkeit, korrosives Salzwasser und mechanische Belastung durch Seegang stellen extreme Anforderungen an Steuerungen, Sensorik und Leistungselektronik – Komponenten, die in Offshore-Anlagen wie der SwitcH2-Plattform dauerhaft zuverlässig funktionieren müssen. Vergussmassen und Dichtstoffe von Wevo sind für genau solche Einsatzbedingungen entwickelt.
SAF statt Kerosin: Luftfracht auf Kurs zur Klimaneutralität
Gemessen am Gewicht macht Luftfracht zwar nur einen geringen Anteil des weltweiten Gütertransports aus, ihr Anteil am Wert des globalen Handels beträgt jedoch mehr als ein Drittel, wie die Unternehmensberatung McKinsey feststellt. Für 2026 geht die International Air Transport Association (IATA) von einem Umsatz von 158 Milliarden US-Dollar aus.
Auch hier stellt die Dekarbonisierung eine Herausforderung dar. Während alternative Antriebstechnologien eher langfristige Perspektiven eröffnen, rücken sogenannte Sustainable Aviation Fuels (SAF) als kurzfristig wirksame Option in den Fokus. Bereits heute können sie konventionellen Treibstoffen mit einem Anteil von bis zu 50 Prozent beigemischt werden.
Währenddessen richtet die Wissenschaft ihren Fokus auf den Einsatz von 100 Prozent SAF. Ein Beispiel ist das Projekt CLIM0ART des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und des Flugzeugherstellers Deutsche Aircraft GmbH. Forschungsgegenstand ist ein vollständig mit SAF betriebenes Turboprop-Flugzeug, bei dem neben den Emissionen auch Partikelausstoß und Kondensstreifen gemessen werden. Die gewonnenen Daten ermöglichen weitergehende Rückschlüsse auf die Klimaauswirkungen dieser Treibstoffe.

Parallel investieren Logistik- und Energieunternehmen in den Hochlauf von SAF. DHL schloss 2025 eine der bislang größten dahingehenden Vereinbarungen seiner Geschichte ab: Für Luftfrachtoperationen an der nordamerikanischen Westküste sollen innerhalb von drei Jahren mehr als 240.000 Tonnen SAF des US-Energiekonzerns Phillips 66 bezogen werden. Dies würde CO₂-Einsparungen von rund 737.000 Tonnen bedeuten – was etwa 2.400 Linienflügen von Los Angeles nach Frankfurt entspricht.
Der Luft- und Raumfahrt-Konzern Airbus plant, konventionelle Treibstoffe sowie SAF mit elektrischer Energie aus Batterien oder Brennstoffzellen zu ergänzen. Die hierzu nötige Antriebstechnologie wird von namhaften Herstellern entwickelt. Bosch Aviation Technology, ein Tochterunternehmen der Robert Bosch AG, stellte 2025 einen 1,4-Liter-Flugmotor vor, der für den Betrieb mit Wasserstoff umgerüstet wurde. In einer Machbarkeitsstudie erreichte er nahezu die Leistungswerte des ursprünglichen Benzinaggregats.
Straßengüterverkehr: Batterie oder Brennstoffzelle?
Auch im Straßengüterverkehr verfolgen zahlreiche Projekte das Ziel, Effizienz und Nachhaltigkeit voranzutreiben. Laut der Internationalen Energieagentur IEA wurden 2025 über 90.000 E-Lkw verkauft – ein Anstieg von rund 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Treiber dieser Entwicklung ist vor allem China, wo sich die Verkaufszahlen innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelten.
Die im Vergleich zu Verbrennermotoren geringere Reichweite batterieelektrischer Antriebe relativiert sich durch die gesetzlich vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten. Dies betont Professor Patrick Plötz vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe im Interview mit Volvo: „Selbst im Fernverkehr, bei dem 1.000 km pro Tag zurückgelegt werden, fahren Sie nie mehr als 400 km ohne Halt.“ Im operativen Ablauf entsteht beim Nachladen während der Pflichtpausen kein zusätzlicher Zeitverlust.

Reichweiten von deutlich über 1.000 Kilometern bei voller Auslastung soll der Mercedes-Benz NextGenH2 Truck erreichen. Daimler Truck stellte den mit flüssigem Wasserstoff betriebenen Brennstoffzellen-Lkw im Jahr 2025 vor. Aufbauend auf bewährten Komponenten wie der Brennstoffzelle des süddeutschen Herstellers cellcentric wurde das Gesamtsystem gezielt in den Bereichen Sicherheit, kompakte Bauweise und Kompatibilität mit gängigen Aufliegern weiterentwickelt.
Brennstoffzellen, Hochvoltbatterien und Elektronik-Komponenten im Lkw- und Flugzeugbetrieb stellen hohe Anforderungen an die verwendeten Vergussmassen, Klebstoffe und Dichtstoffe. Wevo bringt hier jahrzehntelange Erfahrung aus dem Automobilbereich mit: Elektrogießharze auf Basis von Polyurethan, Epoxidharz und Silikon sind gezielt für diese Anforderungen entwickelt. Die Materialien ermöglichen nicht nur zuverlässigen Schutz sensibler Komponenten, sondern unterstützen auch teil- oder vollautomatisierte Fertigungsprozesse.
Schiene: Europas effizienter Transportweg
Nicht zuletzt aufgrund der hohen Energieeffizienz planen zahlreiche Länder, einen größeren Anteil der Transportlogistik auf die Schiene zu verlagern – darunter auch Deutschland. Laut Eurostat nimmt die Bundesrepublik beim Thema Schienengüterverkehr aktuell eine Schlüsselrolle innerhalb der Europäischen Union ein. Mit 126 Tonnenkilometern wurde hier das höchste Schienengüterverkehrsaufkommen aller Mitgliedsstaaten und mehr als ein Drittel des Gesamtvolumens verzeichnet.
Am effizientesten und klimafreundlichsten ist der elektrische Bahnbetrieb – der Ausbau der Oberleitungsinfrastruktur ist jedoch kosten- und zeitintensiv. Daher werden alternative Antriebskonzepte für nicht elektrifizierbare Strecken entwickelt. Ein aktuelles Beispiel kommt aus Indien: Der staatliche Energiekonzern NTPC hat den Elektronik-Hersteller Concord Control Systems mit der Entwicklung des bislang leistungsstärksten Wasserstofflokomotiv-Antriebssystems weltweit beauftragt. Dazu wird in einem Pilotprojekt eine Diesel-Lokomotive auf einen Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieb mit 3.100 PS (2,3 MW) umgerüstet – fast das Doppelte des bisherigen Benchmarks mit 1.600 PS.

Neben der Antriebstechnologie verfolgt die DB Cargo AG, Europas größte Güterbahn, innovative Projekte zur Automatisierung des Schienengüterverkehrs. Gemeinsam mit den beiden Bosch-Tochtergesellschaften Bosch Engineering GmbH und ITK Engineering GmbH hat DB Cargo eine vollautomatische Rangierlokomotive zur Serienreife gebracht. Sie soll künftig in Zugbildungsanlagen eingesetzt werden, um Güterzüge aufzulösen, Wagen zu sortieren und neue Züge zusammenzustellen – Aufgaben, die bislang weitgehend von manuell gesteuerten „Abdrückloks“ übernommen werden.
Mit der zunehmenden Digitalisierung rückt auch die technische Ausstattung einzelner Güterwagen in den Fokus. Anwendungen wie die Digitale Automatische Kupplung (DAK) oder automatisierte Be- und Entladesysteme erfordern eine Energieversorgung direkt am Wagen – eine Funktion, die bislang häufig fehlt. Einen Lösungsansatz bietet der Technologiekonzern Schaeffler AG: Nachrüstbare Radsatzgeneratoren sorgen für eine autarke Versorgung der elektronischen Systeme und schaffen damit die Grundlage für weitergehende Automatisierungs- und Digitalisierungslösungen.
Technologie als Treiber: Wevo begleitet den Wandel
Die Logistikbranche befindet sich mitten in einem strukturellen Wandel. „Auch 2025/26 bleibt die ‚Triple Transformation‘ aus Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Resilienz die zentrale Leitlinie zukunftsfähiger Wertschöpfungsketten“, sagt Wolfgang Kersten, emeritierter Professor und ehemaliger Leiter des Instituts für Logistik und Unternehmensführung an der TU Hamburg. „Diese drei Säulen bilden das Fundament langfristig wettbewerbs- und anpassungsfähiger Wertschöpfungsketten.“
Kersten gehört zu den Autoren der von der Bundesvereinigung Logistik (BVL) e. V. herausgegebenen Studienreihe „Trends und Strategien in Logistik und Supply Chain-Management“. Die Ergebnisse zeigen: In allen drei Transformationsbereichen wurden in den vergangenen Jahren trotz anspruchsvoller geopolitischer und regulatorischer Rahmenbedingungen messbare Fortschritte erzielt. Die Branche zeigt damit Aufbruch, Gestaltungswillen und Zukunftsfähigkeit.
Wevo unterstützt Projekte in diesem innovationsgetriebenen Umfeld auf Wunsch von Beginn an mit Materialentwicklung und -anwendung. In enger Abstimmung mit Kunden und Partnern entstehen maßgeschneiderte Lösungen, die sensible Elektronik sowie Energie- und Antriebssysteme zuverlässig schützen. So leistet der Hersteller individueller Vergussmassen, Kleb- und Dichtstoffe einen entscheidenden Beitrag dazu, dass technologischer Fortschritt erfolgreich umgesetzt wird.
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